
Uwe Rudnick, geboren 1960 in Sonneberg, lebt seit 25 Jahren in Weimar. Er ist verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder und drei Enkel.
Zwei Namen. Ein Schicksal. Ein Sog.
Vor sieben Jahren stieß ich auf eine Spur, die mich nicht mehr losließ: die Geschichte von Ruth und Gittel Löwenthal. Anfangs war es historische Neugier, die mich Informationen zu ihrem Schicksal sammeln ließ. Doch je mehr ich über die zwei jüdischen Mädchen erfuhr, die 1943 mitten in Weimar versteckt wurden, desto stärker entwickelte die Geschichte einen Sog, dem ich mich nicht entziehen konnte.
Irgendwann reichte das Sammeln nicht mehr.
Ich musste schreiben.
So entstand Drei Liter Himmel. Um das Unfassbare greifbar zu machen, habe ich die historische Realität in den Romanraum geholt. Ich erzähle sie durch die Augen von Karl-Leopold, genannt Flocke – einem Jugendlichen, der zwischen erster Liebe und tödlicher Gefahr erwachsen wird. Was als Recherche begann, wurde zu einer tiefen Auseinandersetzung mit der Geschichte meiner Stadt und den großen Themen, die uns Nachgeborene bis heute umtreiben: Schuld und Verantwortung.
Vom Handwerk zum Wort
Das geschriebene Wort war für mich nie nur Zeitvertreib, es war Umgebung. Schon als Kind habe ich verschlungen, was ich in die Finger bekam – ermutigt und geprägt von meinem Vater. Als Deutschlehrer und besessener Vielleser hat er mir früh gezeigt, welche Kraft in Geschichten steckt. Diese Faszination hat mich nie losgelassen.
Später habe ich mich als Typograph und Satzdienstleister professionell mit dem Medium Buch auseinandergesetzt. Ich weiß, wie Schrift wirkt, dass ein Text atmen muss und dass ein gutes Buch nicht nur aus Gedanken, sondern aus Struktur besteht. Dies versuche ich beim eigenen Schreiben durch handwerkliche Präzision umzusetzen.
Nach mehreren Veröffentlichungen im Self-Publishing (u.a. „Genius Nexus“, 2023) konzentriere ich mich heute vollständig auf literarische Prosa. Drei Liter Himmel ist das Ergebnis dieser Entwicklung: Ein Roman, der geschrieben werden musste, um die Erinnerung an Ruth und Gittel wachzuhalten – stellvertretend für so viele andere.